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Die Zeit für die ersten Aussaaten naht

… oder lieber doch nicht. In den sozialen Medien werden die ersten Aussaaten vermeldet. Chili, Tomaten, aber auch schon Salate sind teilweise schon gesät worden. Ist das nicht zu früh?  Nein, bei optimalen Möglichkeiten kann man schon Anfang Februar die ersten Aussaaten wie zum Beispiel von Tomaten und Chili vornehmen. Das heißt vor allem ausreichend Licht! Früher war es undenkbar so früh auszusäen, da die Aussaaten am Zimmerfenster in der Regel „vergeilten“. Das bedeutet, dass die Pflanzen, beim Versuch eine Lichtquelle zu erschließen, ihr Längenwachstum sehr stark beschleunigen. Heute kann man dies durch LED-Pflanzenleuchten mit dem richtigen Lichtspektrum für die jeweilige Pflanze verhindern. Allerdings funktioniert es nur, wenn auch später, also bis in den Mai, noch bestmögliche Bedingungen erreicht werden.  Wer kein Zusatzlicht bieten kann, sollte also noch warten!

Hier sind „vergeilte“ Tomatensämlinge zu sehen, die durch ihre untypische Länge auffallen

Haushaltspapier eignet sich sehr gut zum Ankeimen. Dabei aber darauf achten, dass die Samen immer feucht gehalten werden

Zuerst braucht man jedoch richtiges Saatgut. Dies hat man entweder gekauft, mit anderen Gartenliebhabern getauscht oder noch vom letzten Jahr überbehalten. Auch schon abgelaufenes Saatgut kann man häufig noch verwenden. Eine Keimprobe gibt darüber Auskunft, ob das abgelaufene Saatgut noch aussaatfähig ist. Man braucht dafür: eine kleine Schale oder einen Teller, Haushaltspapier, Klarsichtfolie, Wasser und einen warmen Standort. Auf dem angefeuchteten Küchenpapier werden abgezählte Samen ausgelegt. Den Teller oder die Schale dann mit Klarsichtfolie überspannen. Wichtig, dass Papier feucht halten! Nach einiger Zeit sollten die Samen ankeimen. Wenn die Hälfte der Samen oder sogar mehr aufgeht, ist das Saatgut noch verwendbar. Dennoch ist zu beachten, dass man mehr Samen aussäht als üblich, damit man am Ende gleich viel Ertrag erhält. Keimen weniger Samen, sollte besser neues Saatgut gekauft werden. 

Feuchtigkeit bringt den Samen zur Keimung. Ein gekeimter Samen muss konstant feucht gehalten werden, schon kurzzeitiges Austrocknen ist gefährlich. Sommerblumen wie Astern, Begonien und Zinnien, aber auch Gurken und Zucchini, sind bei Austrocknung gefährdet. Nässe hingegen ist auch nicht wünschenswert, da der Sauerstoff verdrängt wird und die keimenden Samen zu faulen beginnen oder sofort durch Bakterien- und Pilzbefall geschädigt werden. So sind Probleme bei der Keimung, z.B. bei Petersilie, vor allem auf Staunässe zurückzuführen.
Hartschalige und langsam keimende Samenarten sollten 24 Stunden in lauwarmem Wasser oder in einem Tee aus Schachtelhalm oder Beinwell/Comfrey gebadet werden. Zu diesen Samenarten zählen nur wenige Gemüsearten, z.B. Spinat, Möhren, Petersilie, jedoch viele Zimmerpflanzen. Sehr hartschalige und größere Samen, wie viele Gehölze und Stauden, kann man mit Schmirgelpapier anschleifen oder mit einer Feile anritzen, um eine Keimung voranzutreiben.

Es ist zu empfehlen größere und hartschalige Samen anzuschleifen

Zum Keimen braucht man Wärme. Dazu sollte man die Angaben auf der Samentüte oder in der Aussaatliste beachten. Besonders Gurken, Zucchini, Paprika und Tomaten, etc. sind wärmebedürftig. 25 bis 26 °C sind zum Wachstum optimal, allerdings darf die Temperatur auch nicht überschritten werden. Im Sommer, wenn die Temperatur auch nachts nicht unter 15 bis 16 °C sinkt, kann das Saatgut in eine Keimhemmung gehen. Dies ist bei z.B. Kopfsalat und Asia Salaten der Fall. Es gibt sogar Frostkeimer, hauptsächlich Stauden aus alpinen Bereichen, da kommt dann der Kühlschrank zum Einsatz um die Keimruhe zu brechen.

Luft, also Sauerstoff ist zur Keimung wichtig. Sie ist nur in der oberen Bodenschicht ausreichend vorhanden. Meist ist die richtige Saattiefe, bei lockeren Böden oder der richtigen Aussaaterde, das Drei- bis Vierfache der Samenstärke.

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Sauerstoff ist zur Keimung wichtig

Torftöpfe bringen den Sämlingen viele Nähstoffe

Sie sollte locker, durchlässig, reich an Humus und feuchtigkeitsspeichernd sein, sowie keine Pflanzenkrankheitserreger und zersetzende Mikroorganismen enthalten. Zur Auflockerung kann Sand eingemischt werden. Dazu eignet sich z.B. Spielsand aus dem Baumarkt. Kompost sollte erst nach einer Wärmebehandlung verwendet werden. Dazu Kompost in einem alten Topf oder in Bratfolie im Backofen etwa 1 Stunde auf 120° bis 150 °C erhitzen. Damit werden alle schädlichen Mikroorganismen abgetötet. Ob der eigene Kompost vorher „gebacken“ werden muss, kann man mit dem Kresse-Test ausprobieren. Einfach etwas Kompost in ein Glas fühlen und darauf Kressesamen aussäen. Wenn die Kresse gut wächst, kann man den Kompost verwenden. Falls die Kresse braun werden sollte oder gar nicht wachsen sollte, ist der Kompost „versalzen“ und man sollte ihn vor der weiteren Verwendung „backen“.

Für die Aussaat ist auch eine Mischung aus Torf und Sand zu empfehlen, um den Boden etwas zu lockern und mit Nährstoffen zu versorgen.

Der pH-Wert sollte auch geprüft werden, da ein niedriger pH-Wert die Keimung negativ beeinflussen kann. Eine schwach saure bis neutrale Reaktion wäre richtig. Im Handel werden fertige Aussaatsubstrate angeboten.

Entweder man sät in Reihen, auf eine Fläche, direkt in den Gartenboden, ins Frühbeet oder Gewächshaus. Im Hobbybereich ist aber immer die Vorkultur in Schalen günstiger, da

man nicht Unmengen an Pflanzen benötigt. Dann bieten sich Saatschalen, Multitopfplatten, aber auch Torf- oder Kokosstrips an. Saatschalen sollen möglichst flach sein, damit die Erde nicht zu nass werden kann. Es gibt Licht- und Dunkelkeimer. Die Samen werden teilweise abgedeckt, aber dies steht auf der Verpackung genauer erklärt. Ob man den Unterschied von Licht- und Dunkelkeimern beachten muss, hängt auch von den Möglichkeiten ab, die keimende Saat unterzubringen. Es ist besser auch Lichtkeimer mit ganz feinem Sand

zu bestreuen, damit sie nicht austrocknen, wenn in der Umgebung die Luftfeuchtigkeit zu gering ist.

Zu solchen Lichtkeimern gehören: Kopfsalat, Römischer Salat, Sellerie, Tomaten und Chili. Dunkelkeimer sind u. A. Feldsalat, Kürbis, Neuseeländer Salat, Zichorie. Häufig zählen kleine und leichte Saatkörner zu den Lichtkeimern. Große Samen haben eingelagerte Nährstoffe also Energie. Sie haben die Kraft die Erde selbstständig zu durchdringen. Die Abdeckung mit einer Haube, Folie oder die Aufstellung im luftfeuchten Gewächshaus verhindern vorzeitiges Austrocken.

 

Hier noch ein kleiner Tipp zur Aussaat: Beim Einfüllen der Erde in die Aussaatschalen, sollte man immer zuerst die Ränder andrücken. Ist hier die Erde fester als in der Mitte, trocknet die Schale gleichmäßiger ab. Zum Bedecken der Samen die Erde mit einem feinen Sieb, je nach Samenstärke, aufbringen. Wichtig jede Aussaat mit Name und Datum etikettieren. Man kann die Saatschale in kleinere Flächen unterteilen in dem man einen Stab dazwischen legt.

Gerade wenn man wenige Samen anziehen will, sollte man ein praktisches Einzelkornsaatgerät nutzen. Bei der Verwendung von Multitopfplatten, Torf- Kokos oder Papiertöpfen ist dies fast unumgänglich. Natürlich nach der Aussaat angießen.

Hier wurden Lichtkeimer mit Sand abgedeckt und mit Stöcken voneinander getrennt

Die Salatschale wurde durch Stäbe unterteilt

Der Pikierstab hilft beim genauen pikieren der einzelnen Pflanzen

Nach der Keimung müssen die Sämlinge umgepflanzt werden. Sobald sich die Blätter berühren sollte man damit beginnen. Das Vereinzeln der Sämlinge nennt man Pikieren. Dazu die Schale wie bei der Aussaat vorbereiten, dann die einzelnen Sämlinge setzen. Dabei sollte darauf geachtet werden, die Sämlinge etwas tiefer in der Erde bringen. Besonders bei „vergeilten“ Exemplaren ist dies wichtig. Zu lange Wurzeln sollten eingekürzt werden.

Zum Pikieren nutzt man ein spezielles Werkzeug, der/das Pikier- Stab/Holz. Damit wird ein kleines Pflanzloch in die Erde gebracht. Nach der Einpflanzung die Erde leicht andrücken. Durch Vlies, Folie oder eine Haube wird zunächst starke Verdunstung verhindert, ehe sich neue Wurzeln bilden können.