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Der große Windcheck

Check mit Überraschungen

Das Wetter ist allgemein windiger geworden und wir erleben immer mehr Stürme, doch stehen auch immer mehr Gewächshäuser in unseren Gärten. Häufig auftretende und kräftigere Stürme stellen uns und die Hersteller vor größere Herausforderungen, denn selbst wenn es bei Gewächshäusern Qualitätsunterschiede gibt und immer Platz für Verbesserungen gibt, können wir selbst auch eine Menge ausrichten.

Das Bild oben von dem ziemlich mitgenommenen Gewächshaus, das seit 40 Jahren an seinem Platz steht, zeugt davon, dass ein sehr entscheidender Faktor der Windschutz ist. Je mehr Windschatten, um so größere Überlebenschancen hat Ihr Haus. 

Steht Ihr Haus nicht windgeschützt, dann ist ein Fundament und insbesondere eine Verankerung im Fundament von großer Bedeutung. 

Das zeigen die ersten Daten einer großen landesweiten Untersuchung, die ich Anfang Dezember gestartet habe. Ein Sturm hatte sich gerade von seiner schlechtesten Seite gezeigt, und in mehreren Social-Media-Kanälen berichteten Nutzer von zerborstenem Glas und fliegenden Aluprofilen, doch auch von umgestürzten Gebäuden und Bäumen, und somit war Erklärungsbedarf gegeben. 

Die Untersuchung, die sowohl umgestürzte Häuser als auch stehen gebliebene Häuser umfasst, zeigt, dass auch ein günstiges Gewächshaus dem Sturm trotzen und ein teures Haus umstürzen kann. Hauptfeind ist der Wind.

Wenn es sehr windig ist, dann potenziert sich der Wind mit der Windgeschwindigkeit zum Quadrat, was zu gut Deutsch heißt, dass sich die Windkraft bei Verdoppelung der Windgeschwindigkeit vervierfacht. Die Frage ist, was man tun kann, wenn man nicht den gehofften Windschutz hat?

Ein Sockel reicht nicht aus

Aus den zurückgesandeten Fragebögen, die oft mit Bildmaterial versehen wurden, ist ersichtlich, dass mehrere Häuser trotz vorhandenem Sockel einfach umgeweht wurden. Eigentlich stehen selbst Sockel, die nicht tief eingegraben sind, fest, aber man hat ganz einfach eine wichtige Sache vergessen – nämlich das Haus auf dem Sockel zu verankern, oder es wurde gemacht, doch ist die Verankerung mit der Zeit verrostet oder zu schwach und ausgerissen.

Wenn es richtig gut werden soll, müssen verzinkte Verankerungseisen über die Tiefe des Sockels bis hoch durch den Gewächshausfuß eingebaut werden. Falls Sie das Einbetonieren der Eisen vergessen haben, müssen Sie Löcher ins Fundament bohren und so lange Dehnschrauben wie möglich mit guten, dicken Unterlegscheiben einsetzen. Doch wie gesagt stellt die Befestigung am Sockel das größte Problem dar, selten der Sockel selbst, also sollten Sie das unbedingt kontrollieren.

Bis an den Sockel heran betonieren

Meistens wird ein Punktfundament errichtet. So wird es auch bei gewöhnlichen Häusern gemacht. Ein Punktfundament ist ein Rohr mit Beton, das an mindestens jeder Ecke und in der Mitte von jeder Längsseite einen Meter tief in der Erde steckt. Das im Lieferumfang des Gewächshauses enthaltene Stahlfundament wird dann am Punktfundament verankert. Die mitgelieferten Winkeleisen sind oft dünne und biegbare Aluminiumeisen. An sich sind sie sehr gut, wenn man daran denkt, sie unten umzubiegen, damit sie nicht einfach herausgerissen werden. Ein größeres Problem ist, wenn an der Verankerung nicht dicht genug an das Fundament heran betoniert wird – tatsächlich reichen schon ein paar Zentimeter Spiel aus, um das Haus bei Wind schaukeln zu lassen, weil sich die Eisen verbiegen.  

Achten Sie also immer darauf, bis hoch zum Grundrahmen zu betonieren. Holen Sie es nach, wenn Sie es noch nicht getan haben. Vergessen Sie auch nicht, die mitgelieferten Stahlschrauben und Muttern zu verwenden, wenn Sie den Stahlsockel zusammenbauen. Auf keinen Fall sollten Sie die um einiges schwächeren Aluschrauben nehmen, die beim Festziehen oder wenn der Wind angreift, leicht brechen. 

Es ist auch extrem wichtig, dass Sie den Grundrahmen und die senkrechten Profile am Fundament befestigen. Viele Gewächshäuser sind schlichtweg vom Fundament geweht worden, weil man dieses wichtige Detail vergessen hat oder Materialien verwendet wurden, die nicht stabil genug sind.

Wind und Fenster

Soll man die Fenster auf der windabgewandten Seite bei Wind öffnen?

Laut der Untersuchung öffnen viele Gewächshausbesitzer die Fenster auf der windabgewandten Seite oder lassen die Tür angelehnt, weil sie denken, das Haus so vor einem Einsturz zu schützen. Dem liegt die Theorie des Schweizer Wissenschaftlers Bernouilli zu Grunde, wonach sehr kurz und vereinfacht gesprochen, Luft, die in Bewegung ist, weniger Druck hat als Luft, die still steht. Mit anderen Worten würde nach dieser Theorie im Hausinnern ein Überdruck bestehen, weshalb die Fenster geöffnet werden. Dies ist jedoch eine Fehlauslegung dieser Theorie. 

Hilft es, die Fenster auf der windabgewandten Seite zu öffnen? Vielleicht!! Die Theorie besagt, dass im Innern des Hauses ein Überdruck besteht, doch gilt dies nicht immer für Gewächshäuser, die wie auch andere Häuser niemals vollkommen dicht sind.

Diverse Voraussetzungen wurden nämlich nicht eingerechnet. Ein Gewächshaus ist zum Beispiel nicht ganz dicht und somit kann im Hausinnern unterschiedlicher Druck herrschen. Trotzdem macht es durchaus Sinn, ein Fenster auf der windabgewandten Seite leicht zu öffnen, alleine schon weil anzunehmen ist, dass die Verglasung so eingebaut ist, dass sie eher hinausgeweht als hineingedrückt wird – aber Garantien gibt es überhaupt keine, und das zeigt die Praxis auch. 

Glas und Polycarbonat

Nicht überraschend zeigt die Untersuchung, dass gehärtete Glasscheiben dem Druck besser standhalten als gewöhnliches Glas. Polycarbonat ist recht windanfällig, hält aber erfahrungsgemäß besser, wenn es eingeklebt wird. Gehärtetes Glas wird fast immer eingeklebt und das schafft offensichtlich eine stabilere Gesamtkonstruktion.

Pauschal gesprochen ist jedes Glas, das herausfliegt, nicht verklebt. Andererseits können Glasscheiben auch brechen, was aber oft bei Häusern mit dünneren Profilen zu beobachten ist. Hier sind die Bewegungen so groß, dass das Glas ganz einfach springt, wenn es angeklebt wird.  

Wer oft mit gesprungenem Glas zu tun hat, dem sei unbedingt empfohlen, eine Gummileiste ins Profil einzulegen (erhältlich als Zubehör) und die Scheiben mit Klammern zu fixieren statt einzukleben. Dann kann sich das Glas nämlich zusammen mit den Profilen bewegen.

Der Preis der Schönheit

Der Wind kann eine ordentliche Schubkraft entwickeln und das Haus in Schieflage bringen. Mehrere Bilder zeigen verdrehte Schrägstützen. 

Die Stützen haben zwar gegen Druck von der einen Seite gewirkt, jedoch nicht von der anderen, und wenn sich die Stütze der einen Seite zu verbiegen beginnt, dann ist die Festigkeit dahin. Wurden sie außerdem unsachgemäß befestigt, ist es ganz aus. Häuser, Garagen, Schuppen werden immer mit einem sogenannten Windkreuz versehen. Ein Windkreuz sorgt dafür, dass sich die Kräfte besser „verteilen“.

Wenn der Wind also das Haus in die eine Richtung zieht, sichert das eine Kreuz, und wenn das Haus in die andere Richtung gezogen wird, dann wird der Zug auf der anderen Seite gesichert. 

Windkreuze sehen allerdings nicht so schön aus und auch wenn sie allgemein bekannt sind, vermeidet man sie und montiert lieber eine Schrägstütze in jeden Eckgiebel. Schönheit kommt vor Sicherheit.

Es braucht mindestens eine Schrägstütze in jeder Ecke und sie müssen gegeneinander gerichtet sein, also zur Ecke hoch zeigen und dann so weit wie möglich nach unten zur Gegenseite gehen. Je kräftiger die Einzelstützen sind, umso besser. Und wenn sie an die Längsprofile angeschraubt werden, damit sie nicht in der Luft hängen, ist es noch besser. Wichtig ist auch, dass die Schrauben nicht ausreißen. Deshalb ist ein Beschlag an der Verankerung mit zwei Löchern versehen, und die Schrägstütze ist als zusätzliche Sicherung an den Beschlag angeschweißt.

Tür zu!!

Der wunde Punkt eines Giebels ist der Türbereich. Mehrfach wird von vom Wind ausgerissenen Türen berichtet. Wenn die Tür herausgerissen wird, verschwindet ein Teil der Stabilität. Die Türen müssen also verschlossen werden und wenn das nicht möglich ist, dann mit Sandsäcken gesichert. Schiebetüren scheinen am anfälligsten zu sein,

 

 

während Türen mit Scharnieren wesentlich besser halten, vielleicht weil sie sich in den meisten Fällen abschließen lassen und damit dichter schließen. Der Türbereich ist auch ein Schwachpunkt, weil fast kein Platz für Schrägstützen ist, die richtig schräg verlaufen. Vielleicht ist das in Wirklichkeit die beste Stelle, um ein Windkreuz einzusetzen.

Was Sie machen können:

Für alle, die ihr Haus noch nicht aufgebaut haben:

Holen Sie sich Hilfe! Wenn Sie unsicher sind, ob Sie Ihr Gewächshaus alleine aufbauen können, dann lohnt es sich, diese Aufgabe einem Profi zu überlassen. Das Aufstellen eines Gewächshauses

 von 10 bis 15 Quadratmetern kostet zwischen 1.600 und 2.000 €. Gehen Sie beim Fundament keine Kompromisse ein. Bauen Sie, als wäre es ein Schuppen oder eine Garage, holen Sie sich Rat im Internet. Betonieren Sie Verankerungseisen ein (verzinkte Eisen ins Fundament, wenn Sie sich für ein vollbetoniertes Fundament entscheiden). 

Wichtig ist es vor allem, das Gewächshaus am Fundament zu befestigen. Überraschend viele Gewächshausbesitzer vergessen das oder sind dabei nachlässig.

Für alle, die ihr Haus selber aufbauen oder dies vorhaben

Vergewissern Sie sich, dass der Beton mit dem Sockel Kontakt hat, wo die Winkelbeschläge montiert sind, ansonsten müssen Sie nachbetonieren. (Ecken, Mitte und um die Türen). Setzen Sie Beschläge mit zwei Löchern, wo die Schrägstützen angebracht werden. Schweißen Sie die Schrägstütze nach Möglichkeit am Beschlag an.

Ersetzen Sie dünne Schrägstützen durch kräftigere oder setzen Sie neue hinzu, die dann ein Windkreuz bilden. Verbinden Sie das Kreuz in der Mitte mit einer Schraube. Achten Sie besonders auf den Türbereich und lassen Sie die Stützen so schräg wie möglich am Giebel verlaufen.  

Ablagen, die an den längslaufenden Profilen über die gesamte Hauslänge oder Giebellänge verankert sind, verstärken das Haus.

Halten Sie die Türen geschlossen und gut verankert. Geöffnete Fenster auf der windabgewandten Seite können in manchen Fällen das Haus retten. Es kann aber auch den Druckunterschied erhöhen, womit sich der Druck an der windzugewandten Seite erhöht. 

Schaffen Sie Windschatten mit Hecken, durch die der Wind eher hindurch streicht, als beispielsweise mit einem dichten Zaun, über den der Wind regelrecht geworfen wird. Letzterer verstärkt nämlich die Windgeschwindigkeit zusätzlich.    

 

Am allerwichtigsten:

Verankerung am Sockel, geschlossene Türen, Windkreuz.  

Die Hersteller

Die Dicke der Profile ist nicht unbedingt ein Indiz für deren Festigkeit, vielmehr bringen Schrägstützen und Windkreuze eine deutliche Verbesserung. Besonders vorteilhaft ist es, wenn Schrägstützen nicht nur mit einem Loch an jedem Ende befestigt werden, sondern mit zwei Löchern und Beschlag.

 

 

 

© Die landesweite Gewächshaus-Untersuchung unter Leitung von Lars Lund ist die erste im eigentlichen Sinne wissenschaftliche Untersuchung aller jener Faktoren, die erklären, warum Gewächshäuser umstürzen, genauso wie Untersuchungen zu den Ursachen für das Umstürzen von Hausgiebeln. Die Untersuchung soll dazu dienen, Gewächshausbesitzern Ursachen zu vermitteln, die dazu beitragen, dass ein Gewächshaus vom Wind zerstört wird, und Herstellern bessere Instrumente für die Produktentwicklung und Anleitung zu geben. Die Untersuchung ist nicht kommerziell und auf alleinige Initiative von Lars Lund zustande gekommen, der die Untersuchung selbst finanziert. Die Versicherungsbranche und die Technische Universität Dänemarks (DTU) tragen mit Daten bei und Hersteller mit Produktangaben und Erfahrungen. Lars Lund ist Inhaber der Firma Grøn Kommunikation, die Garteninhalte und Bildmaterial für Zeitungen und Zeitschriften liefert, sowie von Fruens Video. Er ist Autor des Buches Det økologiske drivhus (Das ökologische Gewächshaus), das beim Verlag Gyldendal erschienen ist.

Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen und Teile der Untersuchungen werden in der Fachpresse veröffentlicht.

 

 

Beitrag von Lars Lund.